Beste Kursplattform für Online-Coaches: Die 4 Top-Anbieter im Vergleichstest 2024

2026.05.16
Beste Kursplattform für Online-Coaches: Die 4 Top-Anbieter im Vergleichstest 2024

Mitte Dezember saß ich wieder einmal bis spät in die Nacht vor meinem Rechner, das kalte Leuchten des Monitors spiegelte sich in meiner längst leeren Kaffeetasse, während ich mit zitterndem Finger über dem Button 'Alle Daten löschen' schwebte. Ich starrte auf eine kryptische Fehlermeldung beim CSV-Import meiner Mitgliederliste und spürte diese vertraute Panik in der Magengegend: Wenn ich das jetzt vermassle, verärgere ich schon wieder zahlende Kunden durch einen unnötigen Technik-Wechsel. Es wäre das vierte Mal in meiner Laufbahn als Coach.

Seit 2019 habe ich insgesamt 6 verschiedene Kursplattformen ausprobiert. Ich bin kein Entwickler und auch kein Affiliate-Profi, der Provisionen hinterherjagt. Ich bin einfach nur ein Coach aus Hamburg, der seine Inhalte verkaufen will, ohne dass die Technik zum Vollzeitjob wird. Drei Migrationen habe ich hinter mir, und jedes Mal habe ich dabei Mitglieder verloren — Menschen, die keine Lust auf neue Logins hatten oder deren Abos im Datennirvana verschwunden sind. Wenn ich noch einmal einem Kunden erklären muss, warum sein Passwort nicht funktioniert, verkaufe ich meine Kurse wieder als PDF-Listen per E-Mail, das schwöre ich mir in solchen Momenten immer wieder.

Das Problem mit der 'Eierlegenden Wollmilchsau'

Wer heute nach der besten Kursplattform sucht, stolpert sofort über den Begriff 'All-in-One'. Das klingt im ersten Moment so verlockend wie eine Werkzeugkiste, in der alles perfekt sortiert ist. Aber nach meinen Erfahrungen der letzten Jahre ist 'All-in-One' oft nur ein hübscher Name für 'Gefangen-in-Allem'. Wenn dein E-Mail-Marketing, dein Checkout, deine Kursinhalte und dein CRM alle in einer einzigen Software stecken, bist du dieser Software auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Ein Umzug fühlt sich dann nicht mehr wie das Wechseln eines Bohrers an, sondern wie das Abreißen eines kompletten Hauses, nur weil der Wasserhahn in der Küche tropft.

Ein kritischer Punkt, den viele am Anfang übersehen: Die Wahl der günstigsten All-in-one-Plattform ist für wachsende Coaches oft eine Falle. Die technische Abhängigkeit erschwert die Skalierung und vor allem den späteren Verkauf des eigenen Unternehmens massiv. Wer sein Business irgendwann einmal als fertiges Paket übergeben möchte, merkt schnell, dass ein verwobener Software-Klumpen den Wert eher mindert als steigert. In meinem Bericht über die fatalen Fehler beim Anbieter-Vergleich gehe ich noch tiefer darauf ein, warum Flexibilität oft wichtiger ist als ein niedriger Einstiegspreis.

Die 4 Top-Anbieter im Praxischeck

Eines Abends im Februar beschloss ich, die vier Schwergewichte am Markt — elopage, Kajabi, Coachy und ThriveCart — noch einmal ganz sachlich gegenüberzustellen. Nicht auf Basis von Hochglanz-Broschüren, sondern basierend darauf, wie sie sich im Alltag eines Solo-Selbstständigen anfühlen.

1. Kajabi: Der goldene Käfig aus den USA

Kajabi ist der Platzhirsch. Alles sieht fantastisch aus, die Vorlagen sind schick und das Marketing-Automatisierungs-Herz schlägt höher. Im Basic Plan liegt man bei etwa 149 $ monatlich. Aber hier kommt der Haken, an dem ich fast verzweifelt wäre: Die deutsche Bürokratie. Kajabi versteht das Konzept der Umsatzsteuer-Identifikationsnummer und der komplizierten EU-Steuerregeln für digitale Produkte nur bedingt. Man muss oft Drittanbieter dazuschalten, um rechtssicher zu sein, was den 'All-in-One'-Gedanken sofort wieder torpediert.

Was mir im Alltag aufgefallen ist: Kajabi fühlt sich an wie ein Luxus-SUV. Schön anzusehen, aber wenn man mal eine spezielle Schraube festziehen muss (wie etwa eine DSGVO-konforme Checkbox an der richtigen Stelle), braucht man fast ein Ingenieursstudium oder muss teure Experten bezahlen.

2. elopage: Der deutsche Gigant

elopage ist quasi das deutsche Gegenstück. Im Professional Plan für 99 € pro Monat bekommt man eine Plattform, die steuerlich alles richtig macht. Das ist ein riesiger Vorteil. Du verkaufst, und elopage kümmert sich um die Rechnungsstellung und die korrekte Abfuhr der Steuern. Wer keine Lust auf Buchhaltungs-Hölle hat, ist hier gut aufgehoben.

Allerdings ist die Benutzeroberfläche manchmal so komplex wie eine Steuererklärung. Man merkt, dass hier versucht wurde, jede erdenkliche Funktion einzubauen. Für jemanden, der einfach nur einen Mitgliederbereich ohne IT-Kenntnisse erstellen will, kann das erschlagend wirken. Es ist das Schweizer Taschenmesser, bei dem man sich jedes Mal schneidet, wenn man nur die kleine Schere öffnen will.

3. Coachy: Die einfache Lösung aus Deutschland

Coachy ist der Anbieter, zu dem ich immer wieder schiele, wenn mir elopage zu kompliziert wird. Mit dem Premium Plan für 57 € ist es preislich sehr attraktiv. Die Bedienung ist so intuitiv, dass man wirklich keinen Guide braucht. Es ist die Plattform für Coaches, die sich auf ihre Inhalte konzentrieren wollen und nicht auf das Design von Landingpages.

Der Nachteil? Die Flexibilität ist begrenzt. Wenn dein Business wächst und du sehr spezifische Funnels bauen willst, stößt du bei Coachy an Grenzen. Es ist wie ein gut eingerichtetes Fertighaus: Man kann sofort einziehen, aber eine Wand einreißen geht nicht so einfach.

4. ThriveCart: Der unterschätzte Außenseiter

ThriveCart ist eigentlich 'nur' ein Checkout-Tool, hat aber mittlerweile eine solide Kursplattform integriert. Der Clou ist die ThriveCart Pro Lifetime Lizenz für einmalig 690 $. Keine monatlichen Gebühren. Das spart über die Jahre tausende Euro. Es ist die Lösung für alle, die ihre Fixkosten niedrig halten wollen.

Aber Achtung: Auch hier bist du wieder im englischsprachigen Raum unterwegs. Für die DSGVO-Konformität musst du selbst sorgen und einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) individuell prüfen. Es ist die Werkbank für Profis — man muss wissen, was man tut, aber dann ist es unglaublich mächtig.

Der Wendepunkt: Warum ich mich fast umentschieden hätte

Nach etwa zwei Monaten Testphase merkte ich etwas Entscheidendes. Ich hatte mich so sehr auf die Features konzentriert, dass ich das Wichtigste vergessen hatte: Meinen Seelenfrieden. Eine Plattform kann noch so viele Marketing-Gimmicks haben — wenn der Support am Freitagabend nicht erreichbar ist, während deine Launch-E-Mail an 5.000 Leute rausgeht, nützt dir das gar nichts.

Anfang Mai hatte ich so einen Moment. Ein kleines technisches Problem verhinderte den Zugang für Neukunden. Während die US-Anbieter noch schliefen, hatte ich bei einer deutschen Lösung innerhalb von 20 Minuten eine Antwort. Das ist der Moment, in dem man merkt, dass man nicht nur Software kauft, sondern eine Partnerschaft eingeht. Wer sich unsicher ist, ob er alles selbst machen will oder lieber eine Komplettlösung sucht, dem empfehle ich meinen Testbericht zur All-in-One Lösung von Flenski, die einen sehr interessanten Mittelweg geht.

Mein finales Urteil für 2024

Wenn du mich heute im Café fragen würdest, welche Plattform du nehmen sollst, würde meine Antwort so aussehen: Fang nicht mit der Plattform an, die die meisten Features hat. Fang mit der an, die dich am wenigsten Zeit kostet. Zeit, die du brauchst, um tatsächlich zu coachen.

Für die meisten deutschen Coaches ist eine Lösung, die die Umsatzsteuer automatisch abwickelt, Gold wert. Ja, man zahlt vielleicht ein paar Euro mehr im Monat oder eine Transaktionsgebühr, aber man spart sich den Steuerberater oder — noch schlimmer — den Ärger mit dem Finanzamt. Stabilität und ein erreichbarer Support schlagen jedes 'Blinky-Blinky'-Marketing-Feature um Längen. Ich habe schmerzhaft gelernt, dass ein Umzug immer teurer ist als von Anfang an in ein ordentliches Fundament zu investieren. Überlegt euch also gut, wie viel 'All-in-One' ihr wirklich braucht, bevor ihr euch in eine technische Sackgasse manövriert, aus der ihr nur mit Mitgliederverlust wieder herauskommt.